Hoher Besuch an der ARS!

Am 12.03.2026 war es wieder soweit:
Die Adolf-Reichwein-Schule Neu-Anspach lud um ein Weiteres Vertreter von Politik und Wirtschaft zu ihren halbjährlich anberaumten Herbst- und Frühlingsgesprächen. Wie üblich war die Anwesenheit und Teilnahme für die Oberstufenschüler und Zehntklässler verpflichtend, wobei es angesichts der geladenen, prestigeträchtigen Personen des öffentlichen Lebens fragwürdig erscheint, warum eine Anwesenheitspflicht, die beklagenswerter Weise mit Toilettenausflügen von Schülern zu umgehen versucht wurde, von Notwendigkeit zu sein scheint. Denn Herr Weinhold, dem Organisator der Herbst- und Frühjahrsgespräche, gelang es ein weiteres Mal, sich selbst zu übertreffen, indem er nicht nur mit dem Ukraine- Konflikt einen Sachverhalt auswählte, zu dem sich jeder halbwegs mehr oder weniger eine Meinung bilden konnte, sondern auch dadurch, dass er bezüglich der Gäste nicht einen, nicht zwei, nicht drei, sondern gleich vier hochrangige Fachmänner mit jeder Menge Expertise rund um den Ukraine-Konflikt bewaffnet aufs Tableau rief.
Mit dem Diskussionsthema des seit 12 Jahren währenden Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine, sofern man die russische Annexion der Krim und die von Putin gesteuerten Terrorakte der Wagnergruppe einberechnet, was man sollte, wenn man die Vollinvasion der Ukraine am 24.02.2022 rekonstruieren und reflektieren will, wurde ein Thema aufgemacht, das jedermann von uns betrifft, aber mit Trumps Befreiungsmission „Epic Fury“ in der Keimzelle allen islamistischen Terrors mehr und mehr in den Hintergrund zu treten droht.
Auch deshalb vermochte man den Eindruck gewinnen, dass es den Gästen eine Herzensangelegenheit zu sein schien, der Wirtschaftskraft von Morgen in der Causa Ukrainekrieg aufzuklären und die Schülerschaft keineswegs in Unwissenheit zu lassen. Geladen waren nämlich, Trommelwirbel: Der Vorsitzende des Deutsch-ukrainischen Hilfsnetzwerkes Dr. Igor Tartakovsky, der ehemalige Nawalny-Helfer und Vertraute Boris Zimin, dem in seiner Heimat Russland eine 12-jährige Haftstrafe wegen Unterstützung und Mitgliedschaft in einer vermeintlichen Terrororganisation, so nennt die Russische Föderation Demokratiebewegungen, im Gulag droht, der direkt gewählte Bundestagsabgeordnete und Kreisvorsitzende der CDU, Markus Koob und kein anderer als der stellvertretende Bundestagspräsident und Co-Parteichef von Bündnis 90 die Grünen, Omid Nouripour.
Gleichwohl waren mit drei ukrainischen Soldaten, die derzeit enorme Geländegewinne verzeichnen und mit 400 km² in den letzten drei Monaten, so viel Land, wie seit der Sommeroffensive 2023 nicht mehr, zurückerobert haben, Zeugen bzw. direkte Betroffene zugeschaltet, welche Tag für Tag den Aggressionen eines Mannes mit Minderwertigkeitskomplexen ausgesetzt sind, die Stirn bieten, und nun der großartigen Moderation Herrn Weinholds und der Übersetzung durch Frau Mungenast, welcher wiederum jede Menge Respekt gebührt, Frage und Antwort standen.
Dabei riefen die ukrainischen Ortskräfte den Schülern mehrfach ins Gedächtnis, dass die Ukraine nicht lediglich ihre eigene Freiheit gegen den Scheinriesen Putin verteidige, sondern auch einen Puffer zwischen der EU und der russischen Kleptokratie darstelle, weswegen Europa nicht ausschließlich der Solidarität wegen, sondern ebenfalls aus Eigeninteresse am Bestehen der eigenen Souveränität und territorialen Integrität viel am weiteren Bestehen der Ukraine gelegen sein sollte. Angesprochen auf die von Donald Trump ins Leben gerufenen Friedensverhandlungen
verwies ein Soldat auf die Angriffe auf kritische Infrastruktur seitens Russlands, die seit den bilateralen und trilateralen Treffen gar durch die Decke geschossen sind und auch hier neben Russlands territorialen Maximalforderungen auch hier einen neuen Höchststand erreichten.
Darüber hinaus scheuen sich die Ukrainer in keinster Weise, einen Vergleich Putins mit Adolf Hitler zu ziehen, indem sie die Tatsache heranziehen, dass Appeasementpolitik mit Diktaturen samt imperialer Bestrebungen den Hunger von Diktatoren nur vergrößert, siehe Sudetenland.


Zwar wurden die meisten Fragen Herrn Weinholds und der Schülerinnen und Schüler lediglich oberflächlich abgehandelt, was zum Einen dem Zeitraffer von 90 Minuten und der großen Zahl an Gästen geschuldet sein dürfte, doch reichte die Debatte vom Budapester Memorandum über Nordstream 2 bis hin zu dem Iran-Konflikt und dessen Konsequenzen für Deutschland und vor allem für die rohstoffreichen Kriegsparteien.
Letztlich waren es in der Tat die gestiegenen Spritpreise und Energiepreise, die maßgeblich durch die Blockade der Straße von Hormus, durch das Mullah-Regime, bei den Jugendlichen Gesprächsbedarf weckte.
Dieses deutsche Dilemma der Abhängigkeiten fossiler Energien und der dadurch resultierenden Abhängigkeit vom internationalen Weltmarkt, wenn es um die Energiegewinnung geht, führten seitens der Schülerschaft zu Forderungen aller Couleur, wie z.B. Ausbau der erneuerbaren Energien und Speicheranlagen, Senkung der Mehrwertsteuer oder CO2-Abgabe, um die Energie-Krise abzufedern, Rückkehr der Atomkraft bis hin zur Forderung, vermeintlich billiges russisches Öl wieder zu importieren. Dieser Vorschlag dürfte im Besonderen nicht nur bei den Politikern
Kopfschütteln hervorgerufen haben in Anbetracht der Ukraine-Solidarität, sondern dürfte den beiden Spitzenverdienern ins Gedächtnis gerufen haben, dass der „homo oeconomicus“ erst an das Portemonnaie denkt, bevor er sich die Moral leisten kann und daher stets Gefahr läuft, den Gratiskäse aus der Mäusefalle nehmen zu wollen.

Bericht: Jonas Simon Müller Fotos: Fabiana Grau