
Auf ein Wort, LilStar
Der Rapper LilStar, Schüler unserer ARS, ist aus dem Iran aus politischen Gründen nach Deutschland geflohen. Schweren Herzens musste er als Jugendlicher in einer ungewohnten Umgebung, fernab seiner Heimat, ein neues Leben beginnen, ohne seine Eltern an seiner Seite, ohne den Rückhalt von seinen Freunden. Das, was er mit nach Deutschland gebracht hat, ist seine Liebe zur Musik, die wir euch hier schon vorgestellt haben und über die wir euch auf dem Laufenden halten werden.
Wir haben mit LilStar ein Interview geführt, das Fragen zur Musik, aber natürlich auch die aktuellen Entwicklungen im Iran aufgreift.
BlogDown: Hast du neue Lieder seit dem letzten Treffen gemacht? Wie produktiv bist du gerade?
LilStar: Ja. Neuerdings habe ich Unterstützung bekommen. Ich habe zwei Mixer, MPodes und Arboy, an meiner Seite, die mir bei den Beats helfen und das Ganze abmischen. Unsere Musik hat einen neuen Style, mit modernen Texten, der Inhalt bleibt aber im Kern der Gleiche: Die Liebe.
Zusätzlich haben wir auch Musikvideos erstellt. In einem mittelfristigen Zeitraum würde ich gerne ein Studio aufbauen.
BlogDown: Inwiefern dient dir die Musik als Anker in deine Heimat Iran?
LilStar: Zunächst sind meine Texte nach wie vor auf Persisch, auch der orientalische Flow trägt zu einer Verbundenheit bei. Auch die verwendeten Instrumente stammen teilweise aus meiner alten Heimat, dem Iran.
BlogDown: Inwiefern hilft dir die Musik , um in Deutschland anzukommen und dich wohlzufühlen?
LilStar: Ich habe meine Arbeit auf Plattformen gestartet, um meine Musik international zu vertreten, ich bin daher ein Cosmopolit. Zudem möchte ich in Zukunft auch deutsche Texte schreiben.
BlogDown: Wie zufrieden bist du mit deinem Leben in Deutschland?
LilStar: Es ist super. Natürlich gibt es auch Probleme, etwa mein Heimweh und die Sehnsucht nach meinen Eltern, die im Iran sind. Ich könnte jetzt auch nicht zurück. Im Iran ist Singen- oder genauer gesagt: Rap- nicht erlaubt, ich könnte dort meine Leidenschaft nicht ausleben.
BlogDown: Bist du über die aktuelle Situation im Iran informiert?
LilStar: Ich habe für Freiheit im Iran schon vor drei Jahren demonstriert, gehe für die Situation in meiner Heimat auf die Straße. Viele Tausend Menschen werden durch das Regime umgebracht, das Internet wurde abgeschaltet. Gestern hat meine Mutter angerufen. Sie hat versucht, mir meine Sorgen zu nehmen, aber ich kann nur schlecht mit diesen Sorgen schlafen.. Wir alle müssen stark bleiben, zusammenhalten. Alle Länder müssen helfen, das Regime abzuschaffen, um dem Schah (ehemaliger Regent von Persien) zu helfen, eine gerechte Herrschaft aufzubauen. Das ist die Meinung vieler Menschen im Iran. Die Menschen im Iran haben verstanden, dass das alte System weg muss.
BlogDown: Was wünschst du dir für die Menschen im Iran?
LilStar: Ich wünsche den Menschen nur das Beste, Zusammenhalt und Durchhaltevermögen für den Kampf für die Freiheit. Das Geld im Iran hat sehr an Wert verloren, sodass Lebensmittel und Elektronik fast unerschwinglich geworden sind. Für ein Eis etwa muss eine Riesensumme bezahlt werden.
BlogDown: Könntest du dir vorstellen, irgendwann in den Iran zurückzukehren?
LilStar: Ich bin in Deutschland bei null gestartet, habe mir etwas aufgebaut, die Sprache gelernt. Die Freiheit in Deutschland, die Lebensgrundlage, sind Dinge, die wunderbar sind. Ich möchte hier bleiben und in Freiheit leben.
BlogDown: Was sind deine Ziele für die Zukunft?
LilStar: Ich habe noch kein Geld mit meiner Musik verdient. Ich würde gerne Konzerte spielen mit meiner Band, neue Lieder produzieren. Musik ist meine Berufung und mein Leben.
BlogDown: Dafür wünschen wir dir nur das Beste.
Interview: Arne Fuest Fotos: LilStar




Foto von K. D.